Wer Shopify vs WooCommerce vergleicht, sieht zuerst den Monatspreis. Bei Shopify steht dort ein Abo, bei WooCommerce null Euro. Beide Zahlen führen in die Irre, weil die teuren Posten erst nach dem Start kommen. Ich rechne hier drei Jahre durch und lege jede Annahme offen.
Das Wichtigste in Kürze
Vier Punkte tragen die Entscheidung zwischen den beiden Systemen.
- Die Zahlungsart zuerst klären. Nutzt du bei Shopify statt Shopify Payments einen externen Zahlungsanbieter, verlangt Shopify eine Zusatzgebühr auf den Bestellwert: 2 % im Tarif Basic, 1 % in Grow, 0,6 % in Advanced (Preisseite, Abruf 28.09.2026).
- WooCommerce kostet im Betrieb. Die Erweiterung selbst ist kostenlos. Hosting und Wartung kosten jeden Monat, kostenpflichtige Erweiterungen meist jedes Jahr.
- Die Rechnung kippt mit dem Zahlungsweg. Meine Beispielrechnung über drei Jahre arbeitet mit angenommenen Beträgen, auch beim Tarif, weil ich keinen Euro-Preis belegen konnte. Bei 5.000 € Monatsumsatz kostet Shopify mit Shopify Payments 2.124 €, WooCommerce mit bezahlter Wartung 3.960 € und Shopify mit externem Anbieter 5.724 €. Die Reihenfolge hält, solange der Tarif unter 80 € im Monat bleibt. Zahlungsgebühren, Rechtstexte und Einrichtung fehlen darin.
- Der Bestellknopf gilt für beide. Nach § 312j BGB kommt ein kostenpflichtiger Onlinevertrag mit Verbrauchern nur zustande, wenn der Knopf eindeutig auf die Zahlungspflicht hinweist, etwa mit „zahlungspflichtig bestellen“.
Rechne deshalb mit deinen eigenen Zahlen, bevor du dich an eine Plattform bindest.
Bei Shopify bestimmt der Zahlungsweg die Gebühren
Der Handelsverband HDE beziffert den Umsatz mit Endkunden für 2025 auf 92,3 Milliarden Euro netto und erwartet für 2026 96,3 Milliarden, eine Prognose (Statista nach HDE). Statista Market Insights schätzt die Nutzer im deutschen E-Commerce-Markt für 2026 auf 50,1 Millionen. Der Markt ist groß und reif. Wer neu einsteigt, spürt jeden Euro, den die Plattform von der Marge nimmt.
Laufende Kosten sind alle Beträge, die nach dem Start regelmäßig wiederkehren: Abo, Gebühren pro Bestellung, Erweiterungen, Hosting und Wartung. Um genau diese Summe geht es hier.
Shopify vermietet den Shop als Abo. Einen Euro-Preis für den Einstiegstarif Basic konnte ich nicht belegen. Die deutsche Preisseite zeigte bei meinem Abruf am 28.09.2026 nur US-Dollar, 29 $ im Monat bei jährlicher und 39 $ bei monatlicher Zahlung. Laut Shopify-Hilfe-Center rechnet Shopify das Abo je nach Standort in Euro, Pfund, US-Dollar oder Rupien ab. Lies den Preis in deiner Währung auf der Preisseite ab, bevor du abschließt.
Teurer kann ein anderer Posten derselben Preisseite werden. Nutzt du statt Shopify Payments, dem hauseigenen Zahlungsdienst, einen externen Anbieter, erhebt Shopify eine Transaktionsgebühr für externe Anbieter: 2 % im Tarif Basic, 1 % in Grow, 0,6 % in Advanced und 0,2 % in Plus. Sie kommt zu den Kosten des Zahlungsanbieters hinzu. Das Hilfe-Center nennt Ausnahmen. Wer Shopify Payments verwendet, zahlt demnach für Bestellungen über PayPal Express Checkout und für manuelle Zahlungen wie Überweisung keine Zusatzgebühr.
Dazu kommen Apps, also Zusatzprogramme aus dem Shopify App Store. Kostenpflichtige Apps rechnet Shopify getrennt vom Tarif ab, laut Hilfe-Center in einem eigenen Rechnungszyklus. Den Preis einer App legt ihr Anbieter fest.
WooCommerce kostet nichts, bis der Shop läuft
WooCommerce macht aus einer WordPress-Seite einen Shop. Laut Preisseite des Herstellers ist die Erweiterung kostenlos und quelloffen, ohne Monatsabo und ohne Umsatzbeteiligung. Eine Zusatzgebühr für externe Zahlungsanbieter fällt laut derselben Seite nicht an.
Der Hersteller zählt dort auch auf, was trotzdem anfällt. Für Hosting, also den gemieteten Server, auf dem der Shop läuft, gibt WooCommerce 25 bis 350 US-Dollar im Monat für die meisten Shops an. Kostenpflichtige Erweiterungen liegen dort bei 29 bis 299 US-Dollar im Jahr, je Erweiterung. Das sind Herstellerangaben in US-Dollar, ohne eigene Werte für Deutschland.
Ein Posten fehlt auf jeder Preisseite. Für WordPress und jede Erweiterung erscheinen regelmäßig neue Versionen. Jemand muss sie einspielen, vorher eine Sicherung ziehen und danach den Bestellablauf testen. Bei Shopify erledigt das der Anbieter. Bei WooCommerce machst du es selbst oder gibst es an eine WordPress-Wartung mit Sicherungen und Aktualisierungen ab. Nach meiner Erfahrung aus Projekten unterschätzen Shopbetreiber diesen Posten oft.
Ich baue Shops mit WordPress, WooCommerce und Elementor Pro, einem Seitenbaukasten für das Layout. Die Lizenz für Elementor Pro stelle ich bei Kundenshops über meine Agenturlizenz bereit. Die Kosten dafür besprechen wir im Angebot.
Das Recht behandelt beide Systeme gleich. § 312j Absatz 3 BGB verlangt, dass Verbraucher mit ihrer Bestellung ausdrücklich bestätigen, dass sie sich zu einer Zahlung verpflichten. Bestellen sie über eine Schaltfläche, darf diese gut lesbar nur mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Absatz 4 zieht die Folge. Fehlt diese Beschriftung, kommt der Vertrag nicht zustande. Für WooCommerce gibt es Erweiterungen wie Germanized oder German Market, die den Bestellablauf an deutsches Recht anpassen. Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung brauchst du bei beiden Systemen.
Der Gegenwert für den Aufwand heißt Datenhoheit. Bei WooCommerce liegen Shop und Kundendaten auf einem Server deiner Wahl, und bei einem Umzug nimmst du alles mit.
Shopify vs WooCommerce: Die Dreijahresrechnung kippt mit dem Zahlungsanbieter
Ohne Annahmen lässt sich hier nichts rechnen. Mein Beispiel ist ein Shop mit 5.000 € Umsatz im Monat, das sind 180.000 € in drei Jahren. Für den Tarif Basic setze ich 29 € im Monat an. Das ist der Dollarbetrag der Preisseite bei jährlicher Zahlung, ungeprüft als Euro übernommen. Dazu kommen zwei Apps zu je 15 € im Monat.
Für WooCommerce rechne ich mit 25 € Hosting im Monat, drei Erweiterungen zu je 100 € im Jahr und 60 € Wartung im Monat durch einen Dienstleister. Alle diese Werte sind Annahmen und stammen aus keinem Angebot. Belegt ist nur die Zusatzgebühr von 2 %.
Die Tabelle zeigt nur die Posten, die sich zwischen den Systemen unterscheiden.
| Posten über 36 Monate | Shopify mit Shopify Payments | Shopify mit externem Anbieter | WooCommerce |
|---|---|---|---|
| Tarif Basic (Annahme 29 € im Monat, Euro-Preis nicht belegt) | 1.044 € | 1.044 € | 0 € |
| Zusatzgebühr externer Anbieter (2 % von 180.000 €) | 0 € | 3.600 € | 0 € |
| Apps (Annahme 2 × 15 € im Monat) | 1.080 € | 1.080 € | 0 € |
| Hosting (Annahme 25 € im Monat) | 0 € | 0 € | 900 € |
| Erweiterungen (Annahme 3 × 100 € im Jahr) | 0 € | 0 € | 900 € |
| Wartung (Annahme 60 € im Monat) | 0 € | 0 € | 2.160 € |
| Summe drei Jahre | 2.124 € | 5.724 € | 3.960 € |
Nicht enthalten sind die Gebühren des Zahlungsanbieters, Rechtstexte, Domain, Einrichtung und deine eigene Arbeitszeit, weil sie bei beiden Systemen anfallen und stark vom Einzelfall abhängen.
Mit Shopify Payments liegt Shopify in diesem Beispiel vorn. Muss derselbe Shop über einen externen Anbieter kassieren, kostet er mehr als das Doppelte. Die Zusatzgebühr wächst mit jedem Euro Umsatz mit. Weicht der echte Tarifpreis ab, verschiebt sich jede Shopify-Summe um 36 € je Euro Unterschied im Monatspreis. Erst ab 80 € im Monat wäre Shopify mit Shopify Payments teurer als WooCommerce mit bezahlter Wartung. Pflegst du WooCommerce selbst, fällt die Wartung weg, und die Summe sinkt auf 1.800 €. Dann zahlst du mit Zeit.
Fünf Schritte genügen, um die Rechnung für deinen eigenen Shop nachzubauen.
- Umsatz schätzen. Nimm den erwarteten Monatsumsatz im Shop, nicht im Laden, und multipliziere ihn mit 36.
- Zahlungsweg klären. Prüf, ob Shopify Payments für dein Geschäft infrage kommt oder ob du einen bestimmten Zahlungsanbieter behalten willst. Davon hängt die Zusatzgebühr ab.
- Tarif und Apps ansetzen. Lies den Tarifpreis in Euro ab und zähle die Apps, die du brauchst, etwa für den Versand.
- Betrieb bei WooCommerce beziffern. Hol ein Hosting-Angebot ein und liste die kostenpflichtigen Erweiterungen auf. Lege außerdem fest, wer die Aktualisierungen übernimmt.
- Beide Summen vergleichen. Stell die Dreijahressummen nebeneinander und rechne Einrichtung und Rechtstexte getrennt.
Liegen die Summen nah beieinander, entscheidet nicht der Preis, sondern die Frage, wer den Shop betreut.
Shopify passt besser, wenn niemand im Betrieb die Technik übernimmt
Ich baue Shops mit WooCommerce und rate trotzdem nicht jedem dazu. Manchmal passt Shopify besser.
Diese Fälle sprechen nach meiner Einschätzung für Shopify:
- Im Betrieb kümmert sich niemand um Technik, und für eine laufende Wartung ist kein Geld eingeplant.
- Shopify Payments passt zu deinem Geschäft, und der Standard-Bestellablauf reicht dir.
- Du willst schnell mit einem überschaubaren Sortiment starten und später wachsen. Mit jedem höheren Tarif sinkt die Zusatzgebühr für externe Anbieter, von 2 % in Basic auf 1 % in Grow und 0,6 % in Advanced.
Für WooCommerce spricht dagegen, wenn du schon eine WordPress-Seite hast oder deine Daten selbst halten willst. Dann bekommst du mehr Spielraum und trägst die Verantwortung für den Betrieb. Wie ich so einen Shop aufbaue, steht auf der Seite Onlineshop erstellen lassen. Welches System du auch wählst, ein Shop verkauft nur, wenn der Weg vom Produkt zur Kasse klar ist. Warum jede Seite auf eine Hauptaktion zulaufen sollte, beschreibe ich im Beitrag über eine benutzerfreundliche Website mit klarer Nutzerführung.
Meine Notiz: Erst die Produktdaten, dann die Plattform
Die meisten Vergleiche drehen sich um Gebühren. Meine Einschätzung ist, dass die erste Hürde eines Shopprojekts früher liegt, bei den Produktdaten.
Im Juli 2026 habe ich einem Einzelhändler mit rund 700 Artikeln, viele davon in mehreren Varianten, einen WooCommerce-Shop vorgeschlagen. Der Laden bekam schon ohne Shop mindestens zehn Bestellanfragen pro Woche über andere Wege. Nachfrage war also da. Die Arbeit steckt in 700 Artikeln mit allen Varianten und Preisen.
Ich habe zugesagt, alle Artikel einzupflegen, unter einer Bedingung. Entweder kommt eine Produktdatei als Excel oder CSV, oder jemand aus dem Team hilft bei der Eingabe. Diese Frage stellt sich bei Shopify genauso. Beide Systeme lesen Produkte aus Tabellen ein, aber die Tabelle muss jemand füllen, der die Artikel kennt, und das kostet Stunden, die in keiner Preisliste stehen.
Meine Festlegung für jede Shop-Entscheidung lautet deshalb: erst die Produktliste, dann die Plattform.
Häufige Fragen
Ist WooCommerce kostenlos?
Die Erweiterung selbst ist laut Hersteller kostenlos und quelloffen. Laufend zahlst du für Hosting und Wartung, dazu für kostenpflichtige Erweiterungen. In meiner Beispielrechnung mit angenommenen Beträgen machen sie über drei Jahre 3.960 € aus, bei selbst erledigter Wartung 1.800 €.
Welche Gebühren verlangt Shopify bei PayPal?
Nutzt du Shopify Payments, fällt laut Hilfe-Center für Bestellungen über PayPal Express Checkout keine externe Transaktionsgebühr an. Ohne Shopify Payments gilt für externe Zahlungsanbieter die Zusatzgebühr deines Tarifs, im Tarif Basic 2 %. Die Gebühren von PayPal selbst kommen in beiden Fällen dazu.
Kann ich später von Shopify zu WooCommerce wechseln?
Ja. Produkte und Kunden lassen sich als Tabelle exportieren und im neuen System einlesen. Den meisten Aufwand machen nach meiner Einschätzung das Design und die Weiterleitungen alter Adressen, damit Google die bisherigen Seiten den neuen zuordnen kann.
Brauche ich bei Shopify eigene Rechtstexte?
Ja. Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung brauchst du bei jedem System. Der Bestellknopf muss den Anforderungen aus § 312j BGB genügen, sonst kommt der Vertrag mit Verbrauchern nicht zustande.
Dein nächster Schritt
Wenn du vor der Wahl stehst, rechne ich die drei Jahre mit deinen Zahlen durch und sage dir offen, welches System zu deinem Betrieb passt. Das Erstgespräch kostet dich nichts.
Quellen
Alle belegten Zahlen im Text stammen aus diesen Quellen; die Beträge der Beispielrechnung sind Annahmen.
- Shopify: Shopify-Preise: Der passende Plan für dein Unternehmen – Shopify Deutschland. 2026. https://www.shopify.com/de/preise, abgerufen 28.09.2026.
- Shopify: Shopify Help Center | Externe Transaktionsgebühren auf deinen Shopify-Rechnungen. o. J. https://help.shopify.com/de/manual/your-account/manage-billing/billing-charges/types-of-charges/third-party-charges/third-party-transaction-fees, abgerufen 28.09.2026.
- WooCommerce: WooCommerce Pricing Puts You In Control – WooCommerce. o. J. https://woocommerce.com/pricing/, abgerufen 28.09.2026.
- Bundesministerium der Justiz: § 312j BGB – Einzelnorm. o. J. https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__312j.html, abgerufen 28.09.2026.
- Statista (nach HDE): Umsatz durch E-Commerce (B2C) in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2025 sowie eine Prognose für 2026 (in Milliarden Euro). 2026. Statista-Export, ID 3979, abgerufen 28.09.2026.
- Statista (nach Statista Market Insights): Nutzeranzahl im Markt für E-Commerce in Deutschland in den Jahren 2020 bis 2029 (in Millionen). 2026. Statista-Export, ID 488012, abgerufen 28.09.2026.