Simon Gläve in Schwarzweiß neben der Schlagzeile „Website-Relaunch: Wie du beim Umzug Rankings schützt“

Ein Website-Relaunch soll mehr Anfragen bringen. Manchmal bringt er erst einmal weniger, weil Google die alten Adressen nicht mehr erreicht und die neuen noch nicht zuordnen kann. Die Ursachen liegen in der Planung, also vor dem Umschalten, und dort kannst du sie abfangen.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Relaunch verliert Rankings an wenigen, bekannten Stellen.

  • Jede umgezogene Seite braucht ein Ziel. Ändert sich die URL einer Seite, deren Inhalt du mitnimmst, schickt eine 301-Weiterleitung sie dauerhaft auf die passende neue Seite. Google rät, Weiterleitungen möglichst lange und generell mindestens ein Jahr stehen zu lassen.
  • Ohne Entsprechung ist 404 ehrlicher. Gibt es keinen gleichwertigen neuen Inhalt, darf die alte Adresse 404 oder 410 liefern. Google rät nach Möglichkeit davon ab, viele alte Adressen auf eine einzelne unpassende Seite wie die Startseite umzuleiten.
  • Die Sperre der Testumgebung muss weg. Eine noindex-Anweisung aus der Entwicklungsphase entfernst du beim Umschalten, sonst bittet die neue Seite Google, sie nicht aufzunehmen.
  • Die Bestandsaufnahme kommt zuerst. Vor dem ersten Entwurf gehört jede alte Adresse auf eine Liste, samt Klicks, Links von außen, Seitentitel und Beschreibung.
  • Schwankungen sind normal, eine Frist gibt es nicht. Google kündigt vorübergehende Schwankungen an und nennt für kleine bis mittelgroße Websites einige Wochen, bis die meisten Seiten migriert sind. Wann alte Plätze zurück sind, beziffert Google nicht. Das Tool zur Adressänderung in der Search Console brauchst du nur beim Wechsel der Domain oder Subdomain, nicht für neue Pfade auf derselben Domain.

Alle fünf Punkte lassen sich vor dem Start klären.

An fünf Stellen verliert ein Website-Relaunch seine Rankings

Ein Website-Relaunch ist der Neustart einer bestehenden Website mit neuem Aufbau, neuem Design oder neuer Technik, oft mit allem zugleich. Für Google ist das ein Umzug. Jede Seite hat eine Adresse, die URL, und unter dieser Adresse hat Google sie gespeichert und mit Links von anderen Websites verknüpft. Ändert sich die Adresse, muss Google die Verbindung zwischen alt und neu erst finden.

Rankings, also Plätze in den Suchergebnissen, gehen nach meiner Einschätzung vor allem an fünf Stellen verloren.

  • Geänderte Adressen ohne Weiterleitung. Die alte URL liefert einen Fehler, und Google verliert die Spur zur neuen Seite.
  • Entfernte Inhalte. Ein Text, der bei einer Suche weit oben stand, fällt beim Aufräumen weg und mit ihm sein Platz.
  • Eine neue Seitenstruktur. Inhalte wandern in andere Menüs oder verschmelzen miteinander, und interne Links zeigen danach ins Leere.
  • Ein noindex aus der Testumgebung. Die Anweisung an Suchmaschinen, eine Seite nicht aufzunehmen, bleibt nach dem Start aktiv.
  • Verlorene Metadaten. Seitentitel und Beschreibungen für die Suchergebnisse bleiben in der alten Seite zurück, weil beim Neubau niemand sie überträgt.

Das Design halte ich selten für den Grund. Wie hart eine fehlende Weiterleitung trifft, steht in Googles Dokumentation zu Statuscodes. Liefert eine früher aufgenommene Adresse den Statuscode 404, die dreistellige Serverantwort für „nicht gefunden“, entfernt Google sie aus dem Index, seinem Verzeichnis aller aufgenommenen Seiten. Das Gleiche gilt laut dieser Dokumentation für alle Fehler der 400er-Reihe außer 429.

Die Bestandsaufnahme beginnt mit jeder alten Adresse

Wer die alten Adressen nicht kennt, kann sie nicht weiterleiten. Deshalb steht am Anfang eine Tabelle, bevor irgendwer ein Layout zeichnet. Google nennt in seiner Anleitung zur Website-Migration die Zuordnung alter zu neuen URLs einen wichtigen Schritt.

Die Adressen sammelst du aus drei Quellen. Die XML-Sitemap ist die Datei, die Suchmaschinen deine Seiten auflistet. Ein Crawler ruft die Website Link für Link ab und findet Seiten, die in keiner Sitemap stehen. Die Search Console, Googles kostenloses Werkzeug für Websitebetreiber, zeigt im Leistungsbericht, welche Seiten Klicks aus der Google-Suche bekommen. Seine Standardansicht umfasst laut Search-Console-Hilfe die letzten drei Monate. Hat dein Betrieb ein Saisongeschäft, stell den Zeitraum weiter zurück, sonst fehlen die Seiten, die im Winter oder im Sommer tragen.

Pro Adresse hältst du in der Tabelle fest, was beim Umzug nicht verloren gehen darf.

  • Klicks und Impressionen. Impressionen zählen, wie oft eine Seite in den Suchergebnissen erschien. Beide Werte zeigen, welche Seiten zuerst ein Ziel brauchen.
  • Links von außen. Die Search Console listet die Seiten, auf die andere Websites verlinken. Googles Migrationsanleitung führt eine Liste dieser Websites als Vorbereitungsschritt auf.
  • Seitentitel und Beschreibung. Die Texte, die heute in den Suchergebnissen stehen, kopierst du Wort für Wort in die Tabelle.
  • Die neue Adresse. Diese Spalte bleibt vorerst leer und füllt sich im nächsten Schritt.

Ohne diese Tabelle prüfst du blind. Halte außerdem vor dem Start fest, für welche Suchbegriffe du mit welcher Seite auf welchem Platz stehst. Wie du das ermittelst, steht im Beitrag über das Gefundenwerden bei Google. Nur mit diesem Ausgangswert erkennst du später, ob der Umzug etwas gekostet hat.

Jede alte Adresse endet bei einer Weiterleitung oder einer 404

Eine Weiterleitung schickt jeden, der die alte Adresse aufruft, zur neuen, Menschen wie Suchmaschinen. Für einen Relaunch zählt die 301-Weiterleitung, die dauerhafte Variante. Google wertet sie als starkes Signal, das Ziel zu verarbeiten, und zeigt das neue Ziel in den Suchergebnissen. Eine 302 oder 307 gilt als vorübergehend, und dann zeigt Google die Quellseite.

Leite eins zu eins weiter. Die alte Seite zur Elektroinstallation zeigt zum Beispiel auf die neue Seite zum selben Thema. Google rät nach Möglichkeit davon ab, eine größere Zahl alter URLs auf eine einzelne irrelevante Ziel-URL wie die Startseite der neuen Website umzuleiten. Die Weiterleitungen bleiben danach stehen, laut Google möglichst lange und generell mindestens ein Jahr.

Im September 2026 habe ich auf simonglaeve.de die Adressen von sechs Blogbeiträgen geändert. Jede alte Adresse leitet per 301 auf die neue, und die internen Links zeigen jetzt direkt auf die neuen Ziele. Ob das Rankings bewegt hat, habe ich nicht gemessen.

Manche Adressen brauchen kein Ziel. Eine 301 sagt, dass der Inhalt jetzt woanders steht. Eine 404 oder 410 sagt, dass es hier nichts mehr gibt, wobei die 410 betont, dass die Seite absichtlich fehlt. Für Google wirken beide gleich. Die automatisch erzeugte englische Kopie meiner Seite war laut Search Console die am häufigsten gecrawlte Adresse und brachte null Klicks. Ich habe sie im September entfernt, sie liefert seitdem 404.

Umschalten und Nachprüfen folgen einer festen Reihenfolge

Meine Festlegung für jeden Relaunch einer Unternehmenswebsite lautet, dass die neue Fassung neben der alten entsteht. Für einen Elektrobetrieb baue ich die neue Seite auf einer eigenen Test-Subdomain auf, also einer Unteradresse wie test.beispiel.de, bevor umgeschaltet wird. Eine Testumgebung gehört für Google gesperrt. Setzt du dafür noindex-Regeln, empfiehlt Google eine Liste der Adressen, bei denen du sie zu Beginn der Migration entfernst.

Die folgenden Schritte bauen aufeinander auf. Tausch ihre Reihenfolge nicht.

  1. Adressen erfassen. Alle alten URLs kommen mit ihren Werten in die Tabelle aus der Bestandsaufnahme.
  2. Ziele zuordnen. Jede alte Adresse bekommt eine gleichwertige neue Seite oder bewusst eine 404 oder 410.
  3. Testumgebung sperren. Die neue Seite entsteht auf der Test-Subdomain hinter noindex oder Passwortschutz, und du notierst jede gesperrte Adresse.
  4. Metadaten übertragen. Seitentitel und Beschreibungen wandern aus der Tabelle in die neuen Seiten. Jede neue Seite verweist per Canonical-Tag, dem Hinweis auf die gültige Adresse, auf sich selbst.
  5. Weiterleitungen testen. Du rufst jede alte Adresse einzeln auf und prüfst, ob sie mit 301 direkt am geplanten Ziel ankommt, ohne Umweg über mehrere Stationen.
  6. Umschalten und Sperren lösen. Du entfernst alle noindex- und robots.txt-Sperren aus der Testphase, und die internen Links zeigen auf die neuen Adressen.
  7. Zwischenspeicher leeren, dann prüfen. Leere den Zwischenspeicher des Servers und deines Browsers und ruf die Seite ohne Anmeldung auf. Erst dann siehst du den Stand, den ein Besucher bekommt.
  8. Sitemaps einreichen und beobachten. Du reichst in der Search Console die Sitemap mit den alten und die mit den neuen Adressen ein und prüfst regelmäßig, ob unerwartete Crawling-Fehler auftauchen.

Schritt 7 stammt von meiner eigenen Seite. Beim Prüfen zeigte mir dort ein Zwischenspeicher des Servers, ein nginx-Microcache, der Seiten je Browserkennung ablegt, den alten Stand. Ein privates Fenster hilft dagegen nicht, weil es dieselbe Browserkennung mitschickt. Wer so prüft, hält einen erledigten Fehler für offen oder einen offenen für erledigt.

Das Tool zur Adressänderung gehört nur zu einem Wechsel der Domain oder Subdomain, etwa von beispiel.de zu beispiel.org. Für neue Pfade innerhalb derselben Domain oder den Wechsel von http auf https nutzt du es laut Search-Console-Hilfe nicht. Die Hilfe verlangt dafür Weiterleitungen für mindestens 180 Tage, länger, solange noch Besucher aus der Google-Suche darüber kommen. Googles Migrationsanleitung nennt generell mindestens ein Jahr. Meine Festlegung ist das Jahr.

Meine Notiz: Wer weniger auf einmal ändert, findet Fehler schneller

Ein Relaunch lädt dazu ein, am selben Tag ein neues Theme einzuspielen, also eine neue Designvorlage für WordPress, und dazu Adressen und Texte umzubauen. Davon rate ich ab.

Für meine eigene Seite habe ich bewusst kein neues Theme genommen und die bestehende Elementor-Grundlage behalten. Gemessen habe ich den Unterschied nicht.

Meine Begründung ist praktisch. Fehlen nach einem Relaunch Anfragen, willst du wissen, woran es liegt, und hast du Design und Adressen am selben Tag getauscht, gibt es zu viele Verdächtige für eine schnelle Antwort. Ändert sich weniger auf einmal, zeigt die Tabelle aus der Bestandsaufnahme schneller, wo es hakt. Ein neues Theme hat seinen Platz, wenn die alte Technik nicht mehr trägt. Dann würde ich die Adressen in einem eigenen Schritt umziehen und dazwischen prüfen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich Rankings nach einem Relaunch erholen?

Eine feste Frist nennt Google nicht. Google kündigt vorübergehende Schwankungen an, schreibt, dass sich das Ranking nach einer Weile wieder einpendelt, und nennt für kleine bis mittelgroße Websites einige Wochen, bis die meisten Seiten migriert sind. Wer dir eine genaue Wochenzahl zusagt, rät.

Brauche ich beim Relaunch das Tool zur Adressänderung?

Nur, wenn du die Domain oder Subdomain wechselst. Bleibt die Domain gleich und ändern sich nur Pfade, reichen 301-Weiterleitungen und die neuen Sitemaps.

301 oder 302: Welche Weiterleitung gehört zum Relaunch?

Die 301, weil der Umzug dauerhaft ist. Bei einer 302 zeigt Google die Quellseite in den Suchergebnissen. Google empfiehlt serverseitige Weiterleitungen, weil sie die besten Chancen haben, richtig verstanden zu werden.

Darf ich beim Relaunch alte Seiten einfach löschen?

Ja, wenn es keinen gleichwertigen neuen Inhalt gibt. Dann liefert die alte Adresse 404 oder 410. Prüf vorher in der Tabelle, ob die Seite Klicks oder Links von außen hat.

Dein nächster Schritt

Steht bei dir ein Relaunch an, beginnt die Arbeit mit der Bestandsaufnahme. In einer Website-Analyse prüfe ich deine bestehende Seite und zeige dir, welche Adressen beim Umzug ein Ziel brauchen.

Quellen

Alle Angaben zu Googles Verhalten stammen aus der offiziellen Dokumentation.