Die Website steht, sie sieht gut aus, sie erklärt sauber, was du machst. Trotzdem ruft niemand an. Bevor du am Text feilst, lohnt die unbequemere Frage: Findet dich überhaupt jemand? Bei Google gefunden werden ist kein Zustand, den eine Website mitbringt, sondern ein Platz in einer Rangliste, den man sich erarbeitet. Und zwar für Suchbegriffe, die jemand tatsächlich eintippt.
Das Wichtigste in Kürze
- 71 Prozent der Befragten nennen Suchmaschinen, wenn sie sich über Produkte und Dienstleistungen informieren. Marken- oder Händlerseiten nennen 35 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich — die Kanäle schließen einander nicht aus.
- 89 Prozent der Befragten nennen Google als genutzte Suchmaschine, 15 Prozent Bing — Mehrfachnennungen, eigene Erhebung mit eigener Stichprobe, nicht mit den 71 Prozent verrechenbar.
- 18 Prozent nennen KI-Plattformen wie ChatGPT als Informationsquelle. Kein Hauptkanal, aber auch kein Randthema.
- Bei Google gefunden werden entscheidet sich je Suchbegriff und je Seite, nicht für die Website als Ganzes. Eine einzelne Unterseite kann besser ranken als deine Startseite.
- Bei Google gefunden werden allein bringt keine Anfrage. Es bringt Besucher. Was danach passiert, entscheidet die Seite selbst.
Womit Menschen suchen — und was die Zahl nicht sagt
YouGov hat vom 18. bis 21. Juli 2025 in Deutschland 2.005 Personen ab 18 Jahren gefragt, welche Methoden sie in der Regel nutzen, um sich über Produkte oder Dienstleistungen zu informieren. Mehrfachnennungen waren möglich: 71 Prozent Suchmaschinen, 49 Prozent Online-Marktplätze, 40 Prozent Empfehlungen von Freunden und Familie, 35 Prozent Marken- oder Händlerseiten, je 18 Prozent KI-Plattformen und soziale Netzwerke.
Weil mehrfach genannt werden durfte, sagt die Reihenfolge etwas über Verbreitung — nicht darüber, wer wo anfängt. Die Erhebung misst Nutzung, keine Reihenfolge. Wer daraus „alle starten bei Google“ macht, liest etwas hinein, das nicht gemessen wurde.
Was trotzdem drinsteht, ist unbequem genug: Die Suchmaschine wird deutlich häufiger genannt als die Herstellerseite. Und ein Wert, der in Marketingtexten gern verschwindet: 40 Prozent nennen Empfehlungen von Freunden und Familie. Bei Google gefunden werden ersetzt Mundpropaganda nicht, es ergänzt sie. Wer beides gegeneinander ausspielt, verkauft dir etwas.
Welche Suchmaschine in Deutschland praktisch dominiert, ist eine eigene Frage mit eigener Datenlage. In den Statista Consumer Insights (Oktober 2023 bis September 2024, 1.492 Befragte zwischen 18 und 64) nennen 89 Prozent Google, 15 Prozent Bing. Auch hier Mehrfachnennungen, und der Erhebungszeitraum liegt inzwischen zwei bis drei Jahre zurück. Die beiden Erhebungen lassen sich nicht miteinander verrechnen — aber die Größenordnung ist eindeutig: Wer eine Suchmaschine benutzt, benutzt fast immer Google. Wann im Entscheidungsprozess das passiert, sagen beide Erhebungen nicht.
Bei Google gefunden werden gilt nie für die ganze Website
Der häufigste Denkfehler in Gesprächen: „Wir sind bei Google nicht sichtbar.“ Das ist keine Aussage, die man prüfen kann. Sichtbarkeit besteht immer aus drei Angaben — welcher Suchbegriff, welche Seite, welcher Platz. Erst damit wird aus einem Gefühl eine Zahl.
Das hat eine unangenehme und eine angenehme Seite. Unangenehm: Für den einen Begriff, an den du zuerst denkst, stehst du vielleicht auf Seite drei oder vier der Ergebnisse, und daran ändert auch ein neues Design nichts. Angenehm: Viele Seiten ranken für Begriffe, an die beim Schreiben niemand gedacht hat — oft sind es Unterseiten, nicht die Startseite. Ob das bei dir so ist, sagt dir nur die Messung aus Schritt eins.
Suchintention ist der zweite Begriff, der hier hingehört: die Absicht hinter der Eingabe. „Was kostet eine Website“ ist eine andere Absicht als „Webdesigner Schaumburg“. Die erste sucht Orientierung, die zweite sucht einen Anbieter. Eine Seite, die für beides gleichzeitig gebaut ist, bedient am Ende keine von beiden.
Was ich bei einem Kundenprojekt tatsächlich gemessen habe
In einem betreuten Projekt aus einer lokalen Dienstleistungsbranche sah der Stand im September 2026 so aus: knapp dreißig Suchbegriffe in den Top 10. Die Startseite steht auf Seite 1 für die wichtigsten Orts-Kombinationen, die stärkste davon auf Platz 8. Einzelne Unterseiten stehen bei Begriffen ähnlicher Größenordnung auf Platz 4.
Vier Einschränkungen gehören dazu, sonst ist die Zahl mehr wert, als sie ist. Die Abfrage war auf die Top 10 begrenzt — was darunter liegt, sagt sie nicht. Und es ist eine Momentaufnahme, keine Entwicklung.
Die dritte wiegt bei Orts-Begriffen am schwersten: Deren Rangplatz hängt vom Standort des Suchenden ab, gemessen wurde aber depersonalisiert auf Länderebene für Deutschland, nicht aus dem Ort selbst heraus. Was jemand vor Ort sieht, kann davon abweichen — nach oben wie nach unten. Für den Vergleich der eigenen Seiten untereinander taugt die Messung, als Abbild der örtlichen Realität nicht. Und viertens sind Suchvolumen Schätzwerte in Klassen, keine Zählungen: Zwei Begriffe derselben Klasse sind nicht zwingend gleich stark.
Jetzt der Teil, den ich selbst korrigieren muss: Ich habe dieses Projekt intern länger als „Seite 1, Top 5″ beschrieben. Seite 1 stimmt. Top 5 stimmt nicht — für die wichtigste Orts-Kombination steht die Startseite auf Platz 8, gemessen auf Länderebene. Das ist ein Unterschied, der im Verkaufsgespräch bequem und in der Auswertung unehrlich ist, und ich habe ihn selbst mitgeschleppt.
Der interessantere Befund steckt ohnehin woanders: Bei Begriffen ähnlicher Größenordnung steht die Unterseite besser als die Startseite — Platz 4 gegen Platz 8. Daraus folgt keine Regel für jede Branche, sondern eine Arbeitshypothese, die sich in weiteren Projekten prüfen lässt: Eine Seite, die genau eine Frage beantwortet, hat es leichter als eine, die alles gleichzeitig kann.
Der Weg von messen zu bauen
Die Reihenfolge ist: erst messen, dann bauen. Wer umgekehrt anfängt, produziert Inhalte für Begriffe, die niemand sucht. Ein Wort vorab zum Werkzeug: Eine Rangverfolgung ist ein Dienst, der für eine Liste von Suchbegriffen regelmäßig nachschlägt, auf welchem Platz deine Seite steht. Ohne so etwas erfährst du Veränderungen erst, wenn die Anfragen ausbleiben.
- Ist-Stand messen, nicht schätzen. Lass dir ausgeben, für welche Begriffe du heute schon in den Top 100 stehst und mit welcher Seite. Für die Bestandsaufnahme willst du die volle Breite — enger gefasste Abfragen wie im Beispiel oben zeigen nur die Spitze. Ohne diese Liste ist alles Weitere Bauchgefühl.
- Die Begriffe aufschreiben, die Kunden benutzen. Nicht deine Fachbegriffe. Was steht in Anfragen, was sagen Leute am Telefon? Das sind deine Suchbegriffe.
- Je Begriff genau eine Seite festlegen. Zwei Seiten für denselben Begriff konkurrieren miteinander, und Google entscheidet dann selbst, welche es zeigt — oft nicht die, auf die du den Besucher haben wolltest.
- Die Lücke zwischen Platz 11 und 20 zuerst angreifen. Dort steht der Inhalt schon, er reicht nur knapp nicht. Das ist meist der günstigste Weg auf Seite 1.
- Fehlende Seiten bauen, eine Absicht je Seite. Orientierungsfragen beantwortet ein Beitrag, Anbieterfragen eine Leistungsseite. Nicht mischen.
- Monatlich dieselbe Liste erneut messen. Nicht Besucherzahlen, sondern Rangplätze je Begriff. Alles andere schwankt zu stark, um daraus etwas abzuleiten.
Schritt vier verdient eine eigene Bemerkung, weil er am meisten Wirkung je Aufwand bringt. Eine Seite auf Platz 14 ist im Rennen: Sie ist indexiert und wird für diesen Begriff überhaupt in Betracht gezogen. Was ihr fehlt, ist meist wenig — eine präzisere Überschrift, ein fehlender Abschnitt, ein interner Link von einer starken Seite. Eine Seite von weit hinten auf Seite 1 zu heben, ist dagegen ein Neubau.
Das ist die Arbeit, die in einer SEO-Betreuung steckt, und sie ist unspektakulär. Geheim ist daran nichts. Es fehlt nur meistens die Geduld.
Sichtbarkeit bringt Besucher. Anfragen bringt sie nicht.
Angenommen, die sechs Schritte wirken und es kommen dreimal so viele Besucher. Dann hast du dreimal so viele Menschen, die entscheiden müssen, ob sie dich anschreiben. Ob sie es tun, entscheidet nicht die Rangliste, sondern die Seite, auf der sie landen.
Genau hier reißen die meisten Projekte ab: Das Budget geht in Sichtbarkeit, und der Weg vom Besucher zur Anfrage bleibt, wie er war. Wenn du daran arbeitest, bei Google gefunden zu werden, arbeite parallel an einer benutzerfreundlichen Website. Das ist die Baustelle daneben, aber die mit dem schnelleren Effekt — an der Nutzerführung siehst du Veränderungen in Tagen, an Rangplätzen in Wochen bis Monaten.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis ich Ergebnisse sehe?
Für Begriffe, bei denen du schon auf Seite 2 stehst, oft Wochen. Für umkämpfte Hauptbegriffe Monate bis Jahre, und bei manchen nie — wenn dort seit Jahren Portale mit sehr vielen Unterseiten stehen, ist das kein fairer Wettbewerb. Deshalb Schritt vier vor Schritt fünf.
Muss ich jetzt für ChatGPT optimieren?
18 Prozent der Befragten nennen KI-Plattformen als Informationsquelle — das ist ernst zu nehmen. Die gute Nachricht: Die Grundlagen überschneiden sich. Saubere Struktur, klare Definitionen, nachprüfbare Zahlen und eine Seite, die eine Frage vollständig beantwortet, helfen in beiden Welten. Die schlechte: identisch ist es nicht. Wie Antwortsysteme ihre Quellen auswählen, unterscheidet sich von der klassischen Rangliste, und es ändert sich schnell. Das gehört deshalb in die laufende Betreuung, nicht in ein einmaliges Projekt.
Reicht das Google-Unternehmensprofil statt einer Website?
Für den ersten Kontakt in einer örtlichen Suche oft ja. Für alles, was Erklärung, Vertrauen oder einen Preisrahmen braucht, nein. Das Profil beantwortet „Gibt es euch und wo?“. Die Website beantwortet „Seid ihr die Richtigen?“. Beides zusammen funktioniert, eines allein selten.
Woran erkenne ich unseriöse SEO-Angebote?
An Garantien. Niemand außerhalb von Google kontrolliert die Rangliste, also kann auch niemand einen Platz darin zusagen. Seriös ist: ein gemessener Ist-Stand, eine begründete Auswahl von Begriffen und eine monatliche Auswertung derselben Liste. Unseriös ist alles, was mit „Platz 1″ beginnt und ohne Zahlen auskommt.
Dein nächster Schritt
Mach Schritt eins, bevor du irgendetwas änderst: die Liste der Begriffe, für die du heute stehst. Wenn du sie nicht hast oder nicht weißt, was sie dir sagt, schau ich mir das mit dir an. Ein Erstgespräch kostet nichts.
Quellen
- YouGov / Statista: Beliebteste Informationsquellen zur Produktsuche in Deutschland 2025. Erhebung 18. bis 21. Juli 2025, 2.005 Befragte ab 18 Jahre, Online-Umfrage, Mehrfachnennungen. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1621981/umfrage/beliebteste-informationsquellen-zur-produktsuche-in-deutschland/, abgerufen im September 2026
- Statista Consumer Insights: Beliebteste Suchmaschinen in Deutschland im Jahr 2024 (genutzte Suchmaschinen). Erhebung Oktober 2023 bis September 2024, 1.492 Befragte, 18 bis 64 Jahre, Mehrfachnennungen. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/999767/umfrage/beliebteste-suchmaschinen-in-deutschland/, abgerufen im September 2026
- Eigene Auswertung der Rangdaten eines betreuten Projekts über OpenSEO, depersonalisiert auf Länderebene Deutschland, Abfrage begrenzt auf die Top 10, September 2026, anonymisiert.
Simon Gläve arbeitet aus Meerbeck im Landkreis Schaumburg an Websites, Sichtbarkeit und den Prozessen dahinter — für kleine Unternehmen, die von ihrem Auftritt Ergebnisse erwarten und nicht nur Präsenz.